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Typus (Nomenklatur)
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Ein Typus (latinisiert von griechisch Ï„ÏÏ€ÎżÏ‚ tĂœpos ‚Schlag, PrĂ€gung, Abbild, Gestalt‘cite-ref-1[1]cite-ref-lexikonbio-2-0[2]) ist in biologischen Nomenklaturen ein ausgewĂ€hltes Individuum oder Taxon, das die Grundlage zur Benennung eines ĂŒbergeordneten Taxons bildet. Auf Artebene und darunter handelt es sich dabei generell um die konservierten Körper individueller Lebewesen, fĂŒr höhere Taxa können je nach nomenklatorischem Code auch untergeordnete Taxa herangezogen werden (fĂŒr eine Gattung also eine bestimmte Art oder fĂŒr eine Familie eine bestimmte Gattung). Je nach Disziplin und Materiallage können aber auch andere Formen als Typen dienen, so zum Beispiel Illustrationen in der Botanik oder Lebendkulturen von Bakterien und Archaeen.

Bei der Originalzuweisung eines Individuums als Typus fĂŒr ein Taxon spricht man von einem Holotyp, daneben existieren in Zoologie und Botanik verschiedene Bezeichnungen fĂŒr Typen anderer Art. Die genauen Grundlagen fĂŒr die Typisierung eines Taxons finden sich in den entsprechenden Nomenklaturcodes der entsprechenden Disziplinen, etwa dem Internationalen Code der Nomenklatur fĂŒr Algen, Pilze und Pflanzen oder den Internationalen Regeln fĂŒr die Zoologische Nomenklatur. Diese Regelwerke unterscheiden sich – bedingt durch die Geschichte und die Anforderungen ihres Fachs – in einigen Stellen voneinander, folgen aber Ă€hnlichen Prinzipien.

Contents

‱ Geschichte
‱ Zoologie
‱ Botanik
‱ Quellen
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Bedeutung der Typen

Typusexemplare spielen eine entscheidende Rolle bei der Verwaltung von Taxa und ihrer Namen und sind ihr wichtigster Referenzpunkt. Biologen messen ihnen deshalb einen hohen Wert zu und bemĂŒhen sich um ihre Erhaltung und sichere Verwahrung. Ungenauigkeiten bei der Feststellung eines Typs oder dessen Verlust können zu großen Verwerfungen fĂŒhren, durch die ganze Taxa in Zweifel gezogen werden. Umgekehrt kann ein Typus aber auch Kontroversen ĂŒber den Umgang mit bestimmten Taxa eindeutig entscheiden.

Typen dienen nicht der Stabilisierung bestimmter Taxa, sondern ihrer Namen: Sie sollen verhindern, dass viele verschiedene Namen fĂŒr einander sehr Ă€hnliche Organismen verwendet werden. Sie legen aber nicht fest, wie Ă€hnlich zwei Lebewesen sein mĂŒssen, um den gleichen Namen zu tragen. Es ist ohne weiteres möglich, dass ein Taxonom ein neues Taxon abgrenzt und beschreibt, ohne einen Typus festzulegen. Nur darf er in diesem Fall keinen wissenschaftlichen Namen dafĂŒr vergeben.cite-ref-sluys-3-0[3]

Zu beachten ist dabei: Bei der Erstbeschreibung eines neuen benamten Taxons gelten immer die Regeln, die zum Zeitpunkt der Erstbeschreibung gerade gĂŒltig waren. Nur in sehr wenigen AusnahmefĂ€llen wurden Regeln rĂŒckwirkend geĂ€ndert. Dadurch behalten zum Beispiel etwa Namen, die ohne Festlegung eines Typus vergeben wurden, ihre GĂŒltigkeit, wenn sie vor der Vorschrift zur Festlegung veröffentlicht waren.

Geschichte

Die Praxis, jedem Taxon einen bestimmten Typus zuzuweisen, war in der ursprĂŒnglichen Nomenklatur Carl von LinnĂ©s noch nicht vorgesehen. Sie entwickelte sich erst im ausgehenden 19. Jahrhundert, nachdem es die Taxidermie und andere Konservationsmethoden möglich gemacht hatten, organische Materialien ĂŒber mehrere Jahrzehnte zu erhalten. Gleichzeitig ergab sich auch durch die zunehmende FĂŒlle neuer Namen und Erstbeschreibungen aus vielen verschiedenen Weltgegenden und den Tod vieler Pioniere der Taxonomie die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung der wissenschaftlichen Namen. In der Folge wurde die Ernennung eines Typus von der Gemeinde der Taxonomen nicht nur zur Bedingung fĂŒr eine gĂŒltige Publikation gemacht, es wurden auch nachtrĂ€glich Typen fĂŒr all jene gebrĂ€uchlichen Taxa festgelegt, die noch keinen Typus hatten.

18. Jahrhundert: Beginn der Taxonomie und frĂŒhe Methodik

Im 18. Jahrhundert herrschte unter Naturalisten und anderen Wissenschaftlern die Ansicht vor, dass jeder Typologisierung ein möglichst breiter Fundus an Empirie zugrunde gelegt werden mĂŒsse. Nur nach reiflicher Untersuchung allen vorhandenen Materials und BerĂŒcksichtigung aller möglichen Variationen sei demnach etwa die genaue Definition einer Art möglich. Die Festlegung eines einzigen, höchst individuellen Typusexemplars war mit einer solchen Auffassung nicht vereinbar. Die frĂŒhen Naturwissenschaften betonten die Notwendigkeit der ausgiebigen Erfahrung im Umgang mit den PhĂ€nomenen, die erst zur exakten Erkenntnis ihrer verborgenen Ursachen und Ideen fĂŒhren könne. Nur so konnten der damaligen Ansicht nach Fehler bei der Beobachtung und Schlussfolgerung vermieden werden, beispielsweise eine Beschreibung einzelner Variationen als verschiedene Arten. Carl von LinnĂ©, der mit seiner Nomenklatur auf eine genaue Erfassung aller existierenden Arten zielte, maß einzelnen Exemplaren entsprechend wenig Bedeutung bei. FĂŒr LinnĂ© war das ideale Abbild einer Art gerade kein bestimmtes Individuum, sondern etwa eine botanische Zeichnung, die in abstrahierter Weise den als normal verstandenen Bauplan der Art darstellte. LinnĂ© und seine Zeitgenossen legten deshalb bewusst keine toten Individuen oder andere Objekte als Typus fest. Lediglich einzelne Taxa konnten implizit als typisch fĂŒr ĂŒbergeordnete Taxa gelten, wenn sie deren ideale Verkörperung darstellten, so etwa die Gattung Passer fĂŒr die Passeriformes. Eine einheitliche Vorstellung eines Typus gab es aber bis zur zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts unter Naturalisten nicht.cite-ref-daston2004-166-170-4-0[4]

19. Jahrhundert: Krise der Nomenklatur

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kam es innerhalb der Wissenschaftsgemeinde immer hĂ€ufiger zu Kontroversen und Unsicherheiten, was die Namen verschiedener Taxa anging. Teilweise wiesen zwei offenbar verschiedene Gruppen den gleichen Namen auf, teils existierten mehrere konkurrierende Namen fĂŒr dieselbe Art. Die Ursachen fĂŒr diese Entwicklung lagen unter anderem in der rasanten Entwicklung des Fachs. Hatte LinnĂ© Mitte des 18. Jahrhunderts noch rund 10.000 Arten aufgefĂŒhrt, schĂ€tzte der Wissenschaftshistoriker William Whewell die Zahl der bekannten Pflanzenarten 1845 auf etwa 60.000. Dass Wissenschaftler in verschiedenen LĂ€ndern unabhĂ€ngig voneinander neue Arten, Gattungen oder Ordnungen benannten, fĂŒhrte zu zusĂ€tzlicher UnĂŒbersichtlichkeit. Die Pioniere der Taxonomie waren inzwischen verstorben, sodass man sie selbst nicht mehr als AutoritĂ€t heranziehen konnte, um das Problem zu lösen. In Großbritannien bemĂŒhten sich deshalb fĂŒhrende Biologen um einen Ausweg aus der unkontrollierten Zunahme uneindeutiger Namen. Der Ornithologe Hugh Edwin Strickland grĂŒndete eine Kommission, die neue Regeln fĂŒr die zoologische Nomenklatur erarbeiten sollte. Der von ihr vorgelegte Strickland-Code zielte unter anderem auf die Nutzung der umfangreichen botanischen und zoologischen Sammlungen ab, die im Laufe der vorangegangenen Jahrzehnte in Europa und Nordamerika entstanden waren. Die in ihnen erhaltenen Exemplare und BĂŒcher sollten nun in ZweifelsfĂ€llen als Referenzmaterial gelten, wenn ein Naturforscher eines seiner Individuen mit denen bereits bestehender Arten vergleichen wollte.cite-ref-5[5] Damit war der Typus als AutoritĂ€t in taxonomischen Fragen geschaffen. Allerdings umfasste er weiterhin die vielfĂ€ltigen Konzepte der vorangegangenen Jahrzehnte, nur dass sich diese nun in den breiten BestĂ€nden an Exemplaren offenbaren sollten. FĂŒr die Aufstellung einer neuen Art galt weiterhin eine Konsultation so vieler Individuen wie möglich als wĂŒnschenswert, ein Typus hatte beispielhaft zu sein. Diese neue Regelung benachteiligte vor allem die Naturforscher, die fernab der europĂ€ischen HauptstĂ€dte tĂ€tig waren und sich die Reisen zu den bedeutenden Museen zeitlich und finanziell nicht leisten konnten.cite-ref-daston2004-171-172-6-0[6]

Unter FĂŒhrung von Alphonse Pyrame de Candolle bemĂŒhte sich in den 1860er Jahren auch die Botanik um eine Vereinheitlichung ihrer Nomenklatur. Auf dem Internationalen Botanischer Kongress in Paris wurde die PrioritĂ€tsregel beschlossen, die dem Ă€ltesten publizierten Namen Vorrang vor allen anderen gab und die nun auch rĂŒckwirkend angewendet wurde. Die Gemeinschaft der Zoologen schloss sich dieser Regelung bald an. Mit ihr war ein Grundproblem der Taxonomie, das der konkurrierenden Synonyme, gelöst, sie verstĂ€rkte allerdings gleichzeitig das Problem des Zugangs zu den Sammlungen weiter: FĂŒr die korrekte Beschreibung einer Art war nun auch die Kenntnis der bisher vorhandenen Literatur nötig. FĂŒr den Fall einer unklaren Synonymie bot sie darĂŒber hinaus aber keine andere Lösung als die von Strickland. Das stellte vor allem fĂŒr nordamerikanische Naturforscher ein Problem dar, die von den europĂ€ischen Sammlungen abgeschnitten waren. Die Verbreitung der Naturforschung ĂŒber die ganze westliche Welt hinweg schloss eine zentralistische Lösung des Problems – etwa die fĂŒhrenden Londoner Museen als taxonomische AutoritĂ€ten – aus. Obwohl die Demokratisierung der Naturgeschichte von vielen fĂŒhrenden Naturalisten beklagt wurde, galt es als ausgemacht, dass es kein ZurĂŒck in die frĂŒhen Tage des Fachs geben könne. Ausgehend von Nordamerika entwickelte sich schließlich der Vorschlag, fĂŒr jede Art genau benannte Typen festzulegen, um den jeweiligen Wissenschaftlern das Studium aller vorhandenen BestĂ€nde zu ersparen. Er wurde vor allem von Orator Fuller Cook vorangetrieben und 1893 und 1904 auf Kongressen in Rochester beziehungsweise Philadelphia als Zusatz zu den nomenklatorischen Kodizes festgeschrieben. Damit trat die Typusmethode als zentrales Prinzip der Nomenklatur neben die PrioritĂ€tsregel.cite-ref-daston2004-172-174-7-0[7]

20. Jahrhundert: Der atypische Typus als Leitbild

Neben der Lösung fĂŒr das Problem der SynonymitĂ€t war auch der Typus als nomenklatorische AutoritĂ€t ein Ergebnis dieser ÜbereinkĂŒnfte. In vielen FĂ€llen stellte dies Taxonomen aber vor neue Probleme: Neben dem Datum der Erstbeschreibung mussten nun unter teils Tausenden von PrĂ€paraten Typusexemplare vergangener Erstbeschreibungen ermittelt oder neu festgelegt werden. Da sich die wenigsten Naturforscher vor dem 20. Jahrhundert die MĂŒhe gemacht hatten, Typen festzulegen, musste die Geschichte einzelner Exemplare anhand von TagebĂŒchern, Manuskripten, Vermerken auf HerbarblĂ€ttern, Briefwechseln oder Quittungen mĂŒhsam nachvollzogen werden. Viele Sammlungen waren allerdings in den vergangenen Jahrzehnten zerschlagen oder verkauft worden, waren BrĂ€nden zum Opfer gefallen oder hatten unter dem Diebstahl der zahlreichen Besucher gelitten. Oft ließen sich als Typen geeignete Exemplare also gar nicht mehr feststellen. FĂŒr die bestehenden Sammlungen stellte sich dagegen die Frage, wie man mit den plötzlich so wertvollen und unersetzlichen Typen im eigenen Bestand umgehen sollte. Mit der Einengung des zu studierenden Materials auf einige wenige Exemplare kam man auch bald davon ab, den Typus als besonders charakteristisch zu verstehen. Was ein Typus war, wurde nun von der Biografie eines taxonomischen Autors und seiner Sammlung her festgelegt, nicht mehr von der herrschenden Lehrmeinung. Wo nur ein einziges Exemplar in einer Sammlung vorhanden war, wurde es zum Typus seines Taxons. In der wissenschaftlichen Gemeinde entstand darĂŒber eine Kontroverse, ob der Typus eine Serie von Individuen oder nur ein einziges Individuum umfassen sollte. Da die Mehrheit der Forscher befĂŒrchtete, dass Typserien Anlass zu erneuter Verwirrung der Namen geben könnten, votierte sie fĂŒr einen einzelnen Typus als Basis einer gĂŒltigen Erstbeschreibung. Bei neu beschriebenen Arten sollte dieser vom Erstbeschreiber selbst, als sogenannter Holotypus, festgelegt werden.cite-ref-daston2004-174-176-8-0[8]

Da es viele Wissenschaftler fĂŒr widersprĂŒchlich hielten, ein allem Augenschein nach untypisches Exemplar als Typus festzulegen, schrieben die Nomenklaturkomitees diese Regelung explizit in ihren Kodizes fest. Viele Zoologen und Botaniker waren darĂŒber verĂ€rgert und versuchten, das alte Typuskonzept zu reetablieren. Da der Begriff „Typus“ nun von den neuen atypischen Typen besetzt war, schlugen sie die Bezeichnung „Norm“ dafĂŒr vor. In diesem Streit vermieden es die Verfechter der Holotypusmethode, sich zu Taxa oberhalb der Artebene zu Ă€ußern. Sie vertraten eine streng nomenklatorische Definition einer Art als einer Gruppe von Individuen, von denen das erste entsprechend bezeichnete als deren Typus gelte. Die Vertreter dieser Position ließen offen, ob und welche Existenz eine Art ĂŒber die Nomenklatur hinaus hat. Teilweise prĂ€sentierten sie sich aber auch als Gegenbewegung zu einer metaphysischen Biologie, die die abstrakte Idee einer Art ĂŒber die Empirie setzte. Vor allem europĂ€ische Botaniker strĂ€ubten sich teils bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, die Holotypusmethode streng anzuwenden, wĂ€hrend sie in Nordamerika durchweg akzeptiert wurde. Der 1910 in BrĂŒssel abgehaltene Internationale Botanische Kongress akzeptierte die Holotypusmethode, aber erst 1958 wurde sie zur Pflicht gemacht. Seit der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts ist die Holotypusmethode gĂ€ngige und akzeptierte Praxis auf allen Feldern der Taxonomie.cite-ref-daston2004-176-177-9-0[9]

Zoologie

In der zoologischen Nomenklatur bezeichnet ein Typus ein in der Erstbeschreibung eines dadurch formell beschriebenen und mit einem wissenschaftlichen Namen versehenen Taxons herausgestelltes Exemplar. Bei Taxa oberhalb der Artebene, insbesondere Gattungen und Familien ist es stattdessen ein untergeordnetes Taxon, das die objektive Bezugsgrundlage fĂŒr den neuen Namen darstellt.cite-ref-10[10] FĂŒr Taxa der Artgruppe ist es also ein Exemplar, fĂŒr Taxa der Gattungs- und Familiengruppe ein nominelles Taxon aus der mit dem jeweiligen Gruppennamen gleichlautenden Rangstufe der jeweils nĂ€chstniedrigeren Gruppe (Typusart fĂŒr eine Gattung bzw. Typusgattung fĂŒr eine Familie).

Die Typusart ist eine die Gattung bestimmende (typisierende) Art. Sie muss bei der Erstellung (Erstbeschreibung) der Gattung vom Autor ausdrĂŒcklich angegeben werden. Dies ist seit dem 1. Januar 1931 die einzige Möglichkeit, d. h. ohne eine solche Angabe ist der veröffentlichte Name nicht gĂŒltig (valide) und damit ein Nomen nudum. FĂŒr Ă€ltere Gattungen kann die Typusart nachtrĂ€glich auf verschiedene Weise gewĂ€hlt werden (Typus designatus): aus dem Art-Epitheton des Binomens wie ‚typicus‘, ‚typus‘ usw. (Typonomie); wenn der Gattung bei ihrer Aufstellung nur eine Art zugerechnet wurde, diese also monotypisch ist, oder wenn bei der Veröffentlichung das Epitheton mit dem Gattungsnamen genau ĂŒbereinstimmt.cite-ref-palwb-11-0[11]

Bei Typen von Arten werden die aufgefĂŒhrten Merkmale der Erstbeschreibung von dem als Typus bestimmten Exemplar (hilfsweise einen seiner Paratypen, vgl. unten) abgeleitet. Beim Vergleich von Merkmalen bezieht sich der Name des untersuchten Taxons immer primĂ€r auf den namenstragenden Typus, selbst wenn die Beschreibung von diesem abweicht. Die Festlegung des namenstragenden Typus ist notwendig, um ZweifelsfĂ€lle auszurĂ€umen, die durch eine unvollstĂ€ndige oder fehlerhafte Erstbeschreibung entstehen. Solche UnvollstĂ€ndigkeiten sind fast unausweichlich, da die Relevanz einiger der Merkmale zum Zeitpunkt der Erstbeschreibung noch nicht bekannt ist.

Typen der Artgruppe

holotyp Bei der Erstbeschreibung einer neuen Art muss ein sogenannter Holotypus festgelegt werden. Der Holotypus ist immer ein einzelnes Exemplar. Er sollte (muss aber nicht) in einer Museumssammlung hinterlegt werden. Wenn andere Individuen mit dem in der Erstbeschreibung festgelegten wissenschaftlichen Namen bezeichnet werden sollen, ist die Übereinstimmung mit dem Holotypus das entscheidende Kriterium dafĂŒr, nicht die Übereinstimmung mit der Diagnose oder Beschreibung der Art in der Erstbeschreibung selbst. Wenn spĂ€tere Taxonomen die Art aufsplitten (also anhand neu festgestellter Merkmale das, was vorher einen Artnamen trug, in zwei oder mehr neu beschriebene Arten aufteilen), legt der Holotypus fest, welche der neuen Arten den alten Namen behĂ€lt; es ist diejenige der neu beschriebenen Arten, die den Holotypus mit enthĂ€lt. Wenn geklĂ€rt werden soll, ob eine von einem anderen Forscher beschriebene Art mit einer schon frĂŒher beschriebenen Art identisch ist (also der Name ein Synonym), wird der Holotypus dieser Art mit Material der Ă€lteren Art verglichen. Gehört er nach Auffassung des Untersuchers dieser Art an, wird dieser die neu beschriebene Art synonymisieren. Diese namensbestimmende Funktion ist die einzige Funktion des Holotypus, aber wegen der Bedeutung der Namen sehr wichtig.

Solange also ein Holotypus vorliegt, ist der Name der entsprechenden Art damit fixiert. Das ist aber oft nicht der Fall: Der Holotypus kann zerstört werden oder verloren gehen. Zudem haben die Erstbeschreiber in all der Zeit, bevor die Typusregel neu und nachtrĂ€glich in die Taxonomie eingefĂŒhrt wurde, im Regelfall keinen Holotypus bestimmt. Damit wĂ€ren alle Ă€lteren Namen zweifelhaft geworden. Um auch in diesen FĂ€llen die StabilitĂ€t der Namensgebung zu gewĂ€hrleisten, sind komplexe Systeme erdacht worden, um anstelle eines Holotypus auf andere Art einen namensgebenden Typus fĂŒr den Artnamen zu fixieren. Die Fixierung eines Typus fĂŒr eine Art ist dabei ebenso ein „nomenklatorischer Akt“ wie die Erstbeschreibung selbst. Der Forscher, der den Typus bestimmt, muss dies in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlichen. Er kann auch nicht einfach frei ein ihm passend erscheinendes Exemplar auswĂ€hlen, sondern muss einem komplexen Regelwerk folgen. Grundregel dabei ist, dass er sich so nahe wie möglich an den mutmaßlichen Willen des Erstbeschreibers annĂ€hert.

Äußerst umstritten ist es, anstelle eines physischen Exemplars etwas anderes zur Basis des Namens zu erklĂ€ren. Dies betrifft zum Beispiel Fotografien oder andere Abbildungen, oder hinterlegte DNA-Sequenzen. Dies betrifft etwa FĂ€lle, in denen der Holotypus verloren ist, aber noch Fotos von ihm existieren, in denen sich Arten nur schwer so konservieren lassen, das die wesentlichen Merkmale erhalten bleiben, oder die Abgrenzung der neuen Art gar nicht auf morphologischen, sondern nur auf genetischen Merkmalen (Markern) beruhen soll. Nach lĂ€ngerem Streit wurden die Regeln so geĂ€ndert, dass so beschriebene Arten ihre GĂŒltigkeit behalten, dass aber von dem Vorgehen entschieden abgeraten wird.cite-ref-sluys-3-1[3]

Im Normalfall wird aber, wenn kein Holotyp vorhanden ist, der Artname aber erhalten werden soll, ein anderes Exemplar ersatzweise zum namenstragenden Typus erklĂ€rt werden.cite-ref-sluys-3-2[3] Dazu wird als erstes das wissenschaftliche Sammlungsmaterial, das der Autor der Art zusammengetragen hat, gesichtet, um so nahe wie möglich am Ursprung des Namens zu bleiben. Normalerweise hat dieser nicht nur ein einziges Exemplar gesammelt und konserviert, sondern ganze Serien davon. Alle Exemplare dieser Typserie gemeinsam werden Syntypen genannt, solange daraus nicht ein neuer Typus ausgewĂ€hlt worden ist. Alles Material außer einem Holotypus, dass dem Autor zum Zeitpunkt der Erstbeschreibung vorgelegen hat, wird mit einem weiteren eigenen Ausdruck belegt: Paratypus. Paratypen sind also Serien im Sammlungen, die ĂŒbrigbleiben, nachdem ein Exemplar zum Holotypus bestimmt worden ist, zusammen mit dem Holotypus bilden sie eine Typserie. Solange ein Holotypus bestimmt wurde und existiert, haben Syntypen und Paratypen fĂŒr die Nomenklatur keinerlei Bedeutung und können ignoriert werden. Sie sind nur eine Art Versicherung. Außerdem können sie hilfreich sein, um zusĂ€tzliche Merkmale zu bestimmen. Das ist etwa im Fall eines Geschlechtsdimorphismus wichtig, da der Holotypus ja nur eines der beiden Geschlechter reprĂ€sentieren kann. (Es ist erlaubt, in diesem Fall ein Exemplar des anderen Geschlechts, quasi als dessen Typus, gesondert zu designieren. Dieses wird dann Allotypus genannt. Dies ist aber nicht vorgeschrieben.)

Geht der Holotypus durch ein UnglĂŒck verloren, wird dann, wenn Paratypen vorliegen, ein neues Exemplar von diesen zum namentragenden Typus bestimmt. Dazu muss ein Forscher eines davon neu auswĂ€hlen. Ebenso muss er vorgehen, wenn zwar Sammlungsmaterial des Erstbeschreibers existiert, aber daraus kein Holotypus designiert wurde, etwa weil es sich um einen alten Namen vor EinfĂŒhrung der Typen handelte. Nach dem lateinischen Verb legere (lesen, sammeln, auswĂ€hlen) und dessen Form lectus wird das ausgewĂ€hlte Exemplar Lectotypus genannt. Hat ein Taxonom einen Lectotypus bestimmt, sind spĂ€tere Taxonomen an diese Wahl ebenso gebunden, wie es im Falle eines Holotypus der Fall wĂ€re. Es darf also immer nur einen Lectotypus geben. Dieser tritt anstelle des nicht vorhandenen Holotypen.

Gibt es weder einen Holotypus noch eine Typenserie aus der Sammlung des Erstbeschreibers (mit möglichen Syntypen oder Paratypen), muss ein Taxonom irgendein anderes Exemplar zum namentragenden Typus bestimmen, da es zu jedem Namen einen Typus geben muss. Da er diesen neu bestimmt, wird er Neotypus genannt (von altgriechisch ÎœÎ­ÎżÏ‚ nĂ©os „neu“). Er soll sich auch dabei aber so nahe wie möglich an den Erstbeschreiber halten. Wenn gar kein passendes Exemplar in Sammlungen vorhanden ist, wird er etwa ein neues Exemplar bestimmen, das möglichst vom selben Fundort stammt, von dem auch der Erstbeschreiber sein Material hatte. Auch kann er Exemplare aus der Sammlung anderer zeitgenössischer Taxonomen auswĂ€hlen, die der Erstbeschreiber vermutlich gesehen und seiner Art zugeordnet hat.

ZusĂ€tzlich zu diesen Bezeichnungen wurde eine Vielzahl weiterer Begriffe erfunden. FĂŒr die namensfixierende Wirkung des Typus sind aber nur diese vier FĂ€lle zu beachten: Wenn es einen Holotypus gibt, ist dieser maßgeblich. Gibt es keinen, kann es eine ganze Serie aus der Sammlung des Erstbeschreibers geben, die gemeinsam die Syntypen bilden. Aus diesen wĂ€hlt ein spĂ€terer Taxonom dann einen Lectotypus aus, der von da an verbindlich fĂŒr den Namen ist. Ist auch das nicht möglich, bestimmt ein spĂ€terer Bearbeiter ein neues, von ihm selbst ausgewĂ€hltes Exemplar zum Neotypus. Alle weiteren Bezeichnungen sind in der Taxonomie entweder unerheblich, oder dienen nur der RĂŒckversicherung im UnglĂŒcksfall.

Namenstragende Typen der Artgruppe werden mit entsprechenden Vermerken in den wissenschaftlichen Sammlungen aufbewahrt und entsprechend gekennzeichnet. Normalerweise sollten sie in einer öffentlichen Sammlung deponiert werden (z. B. bei Neotypen ist dies vorgeschrieben). Durch die sammlungsspezifische Typusnummer und den Ort der Aufbewahrung (meistens die systematische Sammlung eines UniversitĂ€tsinstituts oder eines Museums) gelangen spĂ€tere Bearbeiter an das Typusexemplar. Als Beispiel ist etwa der Holotypus der ausgestorbenen Protostegidae-Art Santanachelys gaffneyi in der japanischen Teikyƍ-Heisei-UniversitĂ€t in Ichihara, PrĂ€fektur Chiba unter der Nummer THUg1386 archiviert. Bestimmt wurde dieser Typus vom Erstbeschreiber Ren Hirayama durch die in Nature 1998 erschienene Erstbeschreibung.cite-ref-12[12] Gewöhnlich werden Typen durch rote Etiketten besonders gekennzeichnet.

Glossar der Typen

In der folgenden Auflistung werden Bezeichnungen fĂŒr taxonomische Typen in der Zoologie berĂŒcksichtigt, die derzeit oder bis vor kurzer Zeit in Gebrauch sind. Begriffe mit „typ“ ohne taxonomische Bedeutung (zum Beispiel PhĂ€notyp) sind nicht enthalten. Eine Auflistung Ă€lterer, seit langer Zeit nicht mehr verwendeter Begriffe findet sich etwa bei Frizzell (1933).cite-ref-13[13] „Code“ bezieht sich auf den International Code of Zoological Nomenclature. Die im Code verwendeten Begriffe werden in einem (englischen) Glossar (Glossary) erlĂ€utert, das online zur VerfĂŒgung steht.cite-ref-14[14] Herangezogen wurden außerdem das Kompendium der zoologischen Nomenklaturcite-ref-15[15] und eine Arbeit des Fischtaxonomen Ronald Frickecite-ref-16[16].

‱ Allotypus (allotype): Ein in der Erstbeschreibung einer Art festgelegtes und beschriebenes Individuum, das ein anderes Geschlecht besitzt als der Holotyp. Kann nach dem Code verwendet werden (Recommendation 72A), ist aber nicht obligatorisch.
‱ Cotypus (cotype): Gemeinsamer Ausdruck fĂŒr Syntypus und Paratypus. FrĂŒher im Code verwendet. Sollte heute nicht mehr verwendet werden.
‱ Genotypus (genotype): FrĂŒher verwendet fĂŒr die Typusart einer Gattung (genus). Hat nichts mit dem (genetischen) Genotyp zu tun! Sollte nicht mehr verwendet werden.
‱ Hapantotyp (hapantotype): In der Protozoologie verwendeter Spezialbegriff fĂŒr, vor allem parasitische, Protisten mit komplexem Lebenszyklus, bei der an Stelle eines Individuums eine Serie aufeinanderfolgender Lebensstadien als Holotyp festgelegt werden. Im Code verwendet. Der sehr selten verwendete Begriff wurde erst 1986 neu vorgeschlagen.
‱ Holotypus (holotype): Einzelnes, konserviertes und in einer Sammlung hinterlegtes Individuum, das bei der Erstbeschreibung einer Art bestimmt wird und in ZweifelsfĂ€llen den Namen dieser Art festlegt.
‱ Isotyus (isotype): In der Erstbeschreibung erwĂ€hnte Exemplare, die Duplikate (genetisch identisch) zum Holotypus sind. In der zoologischen Nomenklatur unĂŒblich, vor allem in der Botanik verwendet. Der Begriff „Isotyp“ wird in der Immunologie mit einer anderen Bedeutung ebenfalls verwendet.
‱ Lectotypus oder Lektotypus (lectotype): Ein nachtrĂ€glich aus einer Typenserie ausgewĂ€hltes und festgelegtes Individuum, das anstelle eines Holotypus den Namen der Art festlegt.
‱ namenstragender Typus (name-bearing type): Jeder Typus in der Nomenklatur der Zoologie, Sammelausdruck fĂŒr alle hier verwendeten Typen.
‱ Neotypus (neotype): Als Typus einer Art neu festgelegtes Individuum, wenn kein Originalmaterial (d. h. ein Holotypus, Syntypus oder Lectotypus) mehr erhalten ist.
‱ Paralectotypus oder Paralektotypus (paralectotype): Die Exemplare einer Typenserie (vorherige Syntypen), die ĂŒbrigbleiben, wenn aus dieser Serie ein neuer Lectotypus festgelegt worden ist.
‱ Paratypus (paratype): Jedes Exemplar des Originalmaterials (der Typenserie), das nicht zum Holotypus bestimmt worden ist. Ergibt sich automatisch, kann bei sehr umfangreichem Material aber auch gezielt aus der gesamten Sammlung ausgewĂ€hlt und speziell gekennzeichnet worden sein.
‱ Syntypus (syntype): Ein Exemplar einer Typenserie, aus der bisher weder ein Holotypus noch ein Lectotypus festgelegt worden ist. Bis dahin gelten die Syntypen kollektiv als Typus der Art.
‱ Topotypus (topotype): Ein Ausdruck fĂŒr Individuen, die vom Originalfundort des Materials der Erstbeschreibung (TyplokalitĂ€t, locus typicus) gesammelt worden sind. Wird nicht im Code verwendet.
‱ Typoid. Selten gebrauchter Ausdruck fĂŒr alle „Nebentypen“, d. h. alles außer einem Holotypus, Lectotypus oder Neotypus. Im Code nicht verwendet.
‱ Typusart (type species). Art, die als namensbestimmender Typus einer Gattung festgelegt wurde. Die Typusart muss in der Erstbeschreibung explizit bezeichnet und festgelegt werden.
‱ Typusgattung (type genus): Gattung, die als namensbestimmender Typus einer Familie festgelegt wurde. Die Typusgattung muss in der Erstbeschreibung explizit bezeichnet und festgelegt werden.

Botanik

Der Typus wird in der Botanik (einschließlich der Mykologie, Algenkunde und der PalĂ€obotanik) durch die Artikel 7 bis 9 des ICBN geregelt (hier noch der Saint-Louis-Code, 2000). Als Typus fĂŒr Arten werden neben Abbildungen nur konservierte Pflanzen, Algen oder Pilze akzeptiert, nicht lebende Kulturen.

Ein Holotypus (Holotyp) ist dann definiert, wenn der Erstbeschreiber eines Taxon ein einziges Exemplar oder Illustration als solches definiert (Art 9.1). Es ist nicht nötig, dass ein Holotyp typisch ist. Der Ort des erstmaligen Auffindens eines Holotypus wird als locus classicus bezeichnet.cite-ref-17[17] Wurden vom Autor mehrere Exemplare zur Beschreibung eines Taxons verwendet, kann es notwendig sein, ein einzelnes Exemplar als Typus zu bestimmen, das dann Lectotypus heißt (Art 9.2). Ein Isotypus ist ein Duplikat des Holotyps, muss jedoch immer ein Exemplar sein. Ein Syntypus ist jedes Exemplar, das in der Erstbeschreibung genannt wird, wenn kein Holotyp definiert ist. Ein Paratypus ist ein Exemplar, das in der Erstbeschreibung genannt wird, aber weder der Holotypus, noch ein Isotypus oder ein Syntypus ist. Ein Neotypus ist ein nachtrĂ€glich ausgewĂ€hltes Exemplar oder eine Abbildung, wenn der ursprĂŒngliche Typus aus dem Originalmaterial (Holo-, Iso-, Syn-, Para- oder Lectotypus) verloren ist. Ein Epitypus wird ausgewĂ€hlt, wenn der Holotyp, Lektotyp oder Neotyp eines korrekt publizierten Namens nachweislich uneindeutig ist. Bei der Wahl des Epitypus muss der Holotypus etc., auf den er sich bezieht, explizit genannt werden. Ein Typotypus ist ein Herbarbeleg, der als Grundlage fĂŒr eine Abbildung dient, die ihrerseits dann der Typus fĂŒr die Beschreibung ist.cite-ref-18[18] Dieser Fall gilt fĂŒr einige von LinnĂ© beschriebene Arten.

Der Typus einer Gattung (oder eines Taxons unterhalb der Gattung) ist der Typus des zugeordneten Artnamens (Art. 10). Es reicht bereits die Nennung des gĂŒltig veröffentlichten Artnamens, es muss kein direkter Bezug auf dessen Typus genommen werden. Es kann auch nur eine Art Typus sein, die bei der Erstbeschreibung der Gattung dieser zugeordnet wurde.

Der Typus einer Familie (oder eines Taxons unterhalb Familienrang) bezieht sich in analoger Weise auf eine Gattung.

Das Typusprinzip gilt nicht automatisch fĂŒr Taxa oberhalb des Familienrangs, außer der Name leitet sich von einem typifizierten Taxon ab (wie Magnoliales von Magnolia); dann ist automatisch der Typus der namensgebenden Gattung der Typus des höheren Taxons.

Bakteriologie

Auch in der Bakteriologie ist unabdingbar und dauerhaft mit jedem Taxon ein nomenklatorischer Typus verknĂŒpft. Geregelt sind diese im International Code of Nomenclature of Bacteria (ICNB) in der Sektion 4, „Nomenclatural Types and Their Designation“.cite-ref-19[19] Zwar sind auch eine reine Beschreibung, ein konserviertes Exemplar oder sogar nur eine Illustration zulĂ€ssige und legitime Formen von Typen, sie sollten aber nur verwendet werden, wenn eine Lebendkultur nicht möglich ist (z. B. bei Extremophilen).

Im Falle von Lebendkulturen ist der nomenklatorische Typus immer ein bestimmter Bakterienstamm. Wenn diese VerknĂŒpfung eines Stammes explizit im Rahmen der Erstbeschreibung vom Autor vorgenommen wird, handelt es sich bei diesem Stamm um den Holotyp. Wenn der Stamm verlorengeht, kann durch Publikation im International Journal of Systematic Bacteriology ein Neotyp vorgeschlagen werden, indem die Originalbeschreibung eindeutig genannt wird und der neue Stamm damit eindeutig ist. Dieser vorgeschlagene Neotyp (proposed neotype) wird zwei Jahre nach Publikation des Vorschlags zum etablierten Neotyp (established neotype), vorausgesetzt seine Publikation blieb im ersten Jahr widerspruchsfrei.

FĂŒr Gattungen ist eine der Arten der Erstbeschreibung der nomenklatorische Typ, er wird entweder schon bei der Aufstellung der Gattung zum Typ erklĂ€rt oder nachfolgend aus einer der Arten der Erstbeschreibung ausgewĂ€hlt. Oberhalb der Gattung bis hin zur Ordnung ist der Typ jeweils die namensgebende Gattung, die Gattung Rhodospirillum ist also gleichzeitig Typ der Familie Rhodospirillaceae, der Unterordnung Rhodospirillineae und der Ordnung Rhodospirillales. Oberhalb von Ordnungen ist der Typ eine der enthaltenen Ordnungen, sie wird vom Autor der Beschreibungen bestimmt. Wenn diese Bestimmung fehlt, kann sie nur durch eine Opinion der Judicial Commission des International Committee on Systematics of Prokaryotes (ICSP) nachtrĂ€glich ergĂ€nzt werden.

Geographische Herkunft des Typusmaterials

Das Gebiet, aus dem der Typus einer Art stammt, wird Terra typica oder abgekĂŒrzt terr. typ. (lat. „typisches Land“) genannt.cite-ref-20[20] Bei einer fossilen Art wird hingegen von der TyplokalitĂ€t, Locus typicus (lat. „typischer Ort“) gesprochen, die eng verknĂŒpft ist mit der Fundschicht *, dem Stratum typicum (lat. „typische Schicht“). In der Botanik wird auch der Ausdruck Locus classicus (lat. „klassischer Ort“) verwendet.cite-ref-21[21] Ein nachtrĂ€glich dort gesammeltes Belegexemplar wird als Topotyp bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch nicht in den Regeln der botanischen Nomenklatur definiert.

Dies ist streng genommen keine Angabe zur geographischen, sondern zur

stratigraphischen

Herkunft. Zumeist wird als Stratum typicum eine

lithostratigraphische

Einheit im Rang einer

Formation

oder Subformation, sowie deren

chronostratigraphische

Einordnung angegeben.

Quellen

Literatur

‱ Internationale Regeln fĂŒr die Zoologische Nomenklatur. Vierte Auflage. Angenommen von der International Union of Biological Sciences. Offizieller Deutscher Text: ausgearbeitet von O. Kraus. Naturwissenschaftlicher Verein in Hamburg, Abhandlungen, N.F., 34: 232 S.; Hamburg 2000. -- [IRZN 2000] online Version, englisch: [1]
‱ Lorraine Daston: Type Specimens and Scientific Memory. In: Critical Inquiry. Band 31, Nr. 1, 2004, S. 153–182, doi:10.1086/427306.
‱ Greuter, W. et al. (2000): International Code of Botanical Nomenclature (Saint Louis Code). Regnum Vegetabile, 138. Koeltz Scientific Books, Königstein. ISBN 3-904144-22-7. Online-Version (engl.)
‱ McNeill, J. et al. (2006): International Code of Botanical Nomenclature (Vienna Code). Regnum Vegetabile, 146. Koeltz Scientific Books, Königstein. ISBN 3-906166-48-1 Online-Version (engl.)
‱ S.P. Lapage, P.H. Sneath, V.B.D. Skerman, E.F. Lessel, H.P.R. Seeliger, W.A. Clark: International Code of Nomenclature of Bacteria, 1990 Revision (Bacteriological Code), ASM Press, Washington, D.C., 1992, ISBN 1-55581-039-X, Onlineversion

Weblinks

Commons

: Typusexemplare

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Etymologisches Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer bei DWDS: Typus
cite-note-lexikonbio-22. ↑ Typus. In: Lexikon der Biologie. Spektrum Akademischer Verlag. Heidelberg, 1999, abgerufen am 2. Oktober 2016.
cite-note-sluys-33. ↑ Ronald Sluys (2021): Attaching Names to Biological Species: The Use and Value of Type Specimens in Systematic Zoology and Natural History Collections. Biological Theory 16: 49–61. doi:10.1007/s13752-020-00366-3
cite-note-daston2004-166-170-44. ↑ Daston 2004, S. 166–170.
cite-note-55. ↑ Alan J. D. Tennyson, J. A. Sandy Bartle: Catalogue of type specimens of birds in the Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa (PDF; 409 kB) In: Tuhinga: Records of the Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa, Band 19, Artikel 6, 2008, S. 185.
cite-note-daston2004-171-172-66. ↑ Daston 2004, S. 171–172.
cite-note-daston2004-172-174-77. ↑ Daston 2004, S. 172–174.
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cite-note-1010. ↑ IRZN 2000: 169
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cite-note-1515. ↑ Gerhard Becker (2001): Kompendium der zoologischen Nomenklatur. Termini und Zeichen, erlĂ€utert durch deutsche offizielle Texte. Senckenbergiana lethaea 81 (1): 13–16.
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cite-note-1818. ↑ Gerhard Wagenitz: Wörterbuch der Botanik. Die Termini in ihrem historischen Zusammenhang. 2., erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2003, ISBN 3-8274-1398-2, S. 337.
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cite-note-2121. ↑ Michael Hickey, Clive King: The Cambridge Illustrated Glossary of Botanical Terms. Cambridge University Press, Cambridge (UK), ISBN 978-0-511-25251-8